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agtn e.V

Start des landesweiten Tele-Notarztsystems in Thüringen

Thüringen hat als erstes Bundesland ein landesweites Tele-Notarztsystem in Betrieb genommen.

Start Telenotarzt Thüringen

Das in Thüringen eingeführte Tele-Notarztsystem ist Teil einer längeren Entwicklung der telemedizinischen Notfallversorgung in Deutschland. Ausgangspunkt war die Etablierung des sogenannten Telenotarztes in Aachen, wo das Konzept bereits ab 2007 in Forschungsprojekten entwickelt und 2014 in die reguläre präklinische Notfallversorgung übernommen wurde. Von dort aus wurde das System schrittweise auf weitere Regionen übertragen und als ergänzendes Einsatzmittel in der Notfallrettung etabliert.

Während der COVID-19-Pandemie ab 2020 kam der Telenotarzt in Thüringen zunächst testweise zum Einsatz, insbesondere um personelle Engpässe im Rettungsdienst abzufedern und die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. In den Folgejahren entwickelte sich daraus ein struktureller Ausbau telemedizinischer Unterstützung in der präklinischen Versorgung. Parallel dazu trieben mehrere Bundesländer die Einführung eigener Systeme voran: Nordrhein-Westfalen begann 2022 mit dem gezielten Aufbau einer flächendeckenden Telenotarzt-Struktur, und Bavaria verankerte den Telenotarzt gesetzlich und startete ab 2025 den Aufbau mehrerer zentraler Standorte.

In Thüringen wurde das Tele-Notarztsystem schließlich 2024 dauerhaft im Rettungsdienstgesetz verankert und damit aus der Projekt- bzw. Übergangsphase in die Regelversorgung überführt. Es handelt sich laut Kassenärztlicher Vereinigung um das erste landesweit integrierte System dieser Art in Deutschland. Zentraler Bestandteil ist eine rund um die Uhr verfügbare telemedizinische Notarztstruktur mit zwei gleichzeitig diensthabenden Tele-Notärzten, die in der KV-Zentrale in Weimar arbeiten und landesweit zugeschaltet werden können.

Im Einsatz erfolgt die Einbindung ausschließlich durch den Rettungsdienst, wenn vor Ort ärztliche Unterstützung erforderlich ist, aber kein physischer Notarzt zeitnah verfügbar ist oder eine telemedizinische Mitbeurteilung sinnvoll erscheint. Technisch werden die Rettungsmittel mit Tablets ausgestattet, über die Vitalparameter wie Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung in Echtzeit übertragen werden. Der Tele-Notarzt kann darauf basierend Diagnostik und Therapie unterstützen, Medikamentengaben anweisen sowie das Rettungsfachpersonal anleiten oder auch Sekundärtransporte ärztlich begleiten.

Gleichzeitig bleibt das System klar begrenzt: Der Tele-Notarzt kann nicht physisch eingreifen und ersetzt bei vitaler Bedrohung weiterhin nicht den Notarzt vor Ort. Zudem ist die Leistungsfähigkeit abhängig von der Netzabdeckung, da stabile Daten- und Videoverbindungen nicht flächendeckend garantiert sind.

Insgesamt stellt das Thüringer Modell damit einen weiteren Schritt in Richtung digital unterstützter Rettungskette dar, mit dem Ziel, ärztliche Expertise schneller und flexibler verfügbar zu machen, ohne dabei den bodengebundenen Notarztdienst zu ersetzen.

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